Projekt

Idee

Die Internetseite „Jüdische Spuren" ist ein Projekt zur digitalen Erinnerung an das jüdische Leben im Burgenlandkreis. Sie entsteht aus dem gemeinsamen Engagement der Partnerschaft für Demokratie und Akteurinnen und Akteure aus der Region. Ziel ist es, jüdische Geschichte sichtbar zu machen, an Verfolgung und Ausgrenzung während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu erinnern und eine zeitgemäße Form der Gedenkkultur zu entwickeln.

Jüdisches Leben prägte über lange Zeit viele Orte im Burgenlandkreis. Es war ein selbstverständlicher Teil des gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenlebens. Diese Vielfalt wurde durch Verfolgung, Entrechtung und Ermordung gewaltsam zerstört. An diese Geschichte erinnern bereits heute Stolpersteine, Ausstellungen, Gedenkstätten und Geschichtspfade, unter anderem in Zeitz, Weißenfels und Naumburg. Die neue Internetseite knüpft an diese bestehenden Erinnerungsorte an und führt sie digital zusammen.

Die Plattform soll Raum für unterschiedliche Zugänge zur Erinnerung bieten. Vorgesehen sind digitale Gedenkbücher, Informationen zu Mahnmalen und Gedenkstätten sowie thematische Beiträge zum jüdischen Leben in den Städten und Gemeinden des Landkreises. Auf diese Weise werden historische Zusammenhänge vermittelt und individuelle Lebensgeschichten sichtbar gemacht.

Digitale Erinnerungskultur gewinnt zunehmend an Bedeutung. Sie macht historisches Wissen ortsunabhängig zugänglich und ermöglicht es Menschen aus verschiedenen Regionen der Welt, sich jederzeit mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Gerade vor dem Hintergrund wachsender antisemitischer Einstellungen und der Verharmlosung nationalsozialistischer Verbrechen ist es notwendig, klare Zeichen zu setzen. Die Internetseite versteht sich daher auch als Beitrag zur politischen Bildung und als deutliches Bekenntnis gegen Antisemitismus, Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit.

Mit dem Projekt „Jüdische Spuren" soll die Erinnerung an das jüdische Leben im Burgenlandkreis bewahrt, vertieft und weitergegeben werden. Es verbindet Vergangenheit und Gegenwart und richtet sich an heutige und kommende Generationen. Die digitale Plattform lädt dazu ein, sich mit der regionalen Geschichte auseinanderzusetzen, Verantwortung zu übernehmen und die Erinnerung als festen Bestandteil einer lebendigen demokratischen Kultur zu begreifen.

Vorder- und Rückseite des Flyers Jüdische Spuren in Zeitz
Innenseite des Flyers Jüdische Spuren in Zeitz
Karte des Flyers Jüdische Spuren in Zeitz

Der Flyer „Jüdische Spuren in Zeitz" von Jens Aaron Guttstein und Martin Zeigner (Bureau Marten) markiert den Auftakt zum umfassenden Projekt „Jüdische Spuren im Burgenlandkreis". Er dokumentiert die wechselvolle Geschichte der jüdischen Gemeinde in Zeitz von ihren ersten Nachweisen im 14. Jahrhundert über die Blütezeit um 1913 bis hin zur systematischen Verfolgung und Vertreibung während der NS-Zeit. Ein zentraler Bestandteil ist die im Jahr 2021 fertiggestellte Karte, die ehemalige jüdische Geschäfte und Immobilien bis zum Jahr 1938 geografisch verortet.

Bei Bedarf können Sie sich gerne an uns wenden — wir lassen Ihnen die Karte für Ihre Unterlagen oder Recherchen gerne zukommen.

Finanzierung und Projektkoordination

Konrad-Martin-Haus gGmbH
Heimvolkshochschule
Am Rechenberg 3–5
06628 Naumburg OT Bad Kösen

Wissenschaftliche Recherche und Begleitung

Jens Aaron Guttstein

Gestaltung und Entwicklung

Bureau Marten – Leipzig

Grußwort des Vorstands des Landesverbands Jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalt

Liebe Leserinnen und Leser der Webseite Jüdische Spuren im Burgenlandkreis,

Sie besuchen ein besonderes Gemeinschaftsprojekt, das mit großem Wissen und persönlichem Engagement in Zusammenarbeit zwischen dem Landratsamt Burgenlandkreis, dem Konrad-Martin-Haus und lokalen Initiativen und Forschern, wie Jens Aaron Guttstein, aufgebaut wurde.

Diese Internetseite ist mehr als nur ein digitales Archiv. Sie ist ein Ort der Erinnerung, der durch langjährige, eigenständige Arbeit entstanden ist. Für die Region Zeitz und Umgebung hat Herr Guttstein über viele Jahre hinweg mit großer Leidenschaft historische Spuren zusammengetragen, dokumentiert und zugänglich gemacht.

Gerade heute, in einer Zeit, in der antisemitische Vorurteile wieder häufiger sichtbar werden, sind solche Initiativen von großer Bedeutung. Sie zeigen, wie wichtig es ist, Geschichte sichtbar zu machen.

Ich hoffe sehr, dass dieses Projekt auch junge Menschen erreicht und sie ermutigt, die Erinnerung weiterzutragen, offen zu denken und sich aktiv für eine respektvolle und aufmerksame Gesellschaft einzusetzen.

Mit Dank und besten Grüßen

Inessa Myslitska
Vorstandsvorsitzende
Landesverband Jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalt
Logo des Landesverbands Jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalt
© Landesverband Jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalt

Quellen

Primärquellen & Archivdatenbanken

  1. Arolsen Archives – International Center on Nazi Persecution, Bad Arolsen. Online: collections.arolsen-archives.org
  2. Bundesarchiv: Gedenkbuch »Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945«. Online: www.bundesarchiv.de/gedenkbuch
  3. Yad Vashem – The World Holocaust Remembrance Center, Jerusalem. Online: www.yadvashem.org

Literatur

  1. Werner Dietrich: Die deutschen Opfer der NS-Gewaltherrschaft in Zeitz und Umgebung. Teil 1: Die organisierte Arbeiterbewegung in Verfolgung und Widerstand. Halle (Saale) 2020.
  2. Dennis Egginger-Gonzales: Der rote Stoßtrupp. Eine frühe linkssozialistische Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus. Berlin 2018: Lukas-Verlag.
  3. Jens Aaron Guttstein: Lebenswege. Die Shoa in Zeitz 1933–1945. Halle (Saale) 2017.

Institutionen

  1. Centrum Judaicum – Stiftung Neue Synagoge Berlin. Online: centrumjudaicum.de
  2. Gedenkstätte Rehmsdorf. Online: bpb.de – Gedenkstätte Rehmsdorf
  3. Jüdische Gemeinde Halle (Saale). Online: www.jg-halle.de
  4. Jüdische Gemeinden in Deutschland – Zeitz (Sachsen-Anhalt). Online: jüdische-gemeinden.de

Weitere Onlinequellen

  1. Gemeinde Elsteraue: Denkmäler. Online: gemeinde-elsteraue.de/de/denkmaeler.html
  2. Wikipedia – diverse Artikel (u. a. zu Deportationsrouten, Konzentrationslagern, Orten).
  3. 45aid.org – Dokumentationsprojekt. Online: 45aid.org

Projektinterne Dokumente

  1. Stolpersteine Familie Hollaender. Dokumentation zur Verlegung am 5. März 2025, Spechsart 5, 06618 Naumburg.
  2. Kurzbiografien zu den Stolpersteinen in Zeitz. Stand: 28. Juli 2025.
  3. Gedenkstätte Rehmsdorf – Informationsbroschüre (PDF).